top of page
raum-rebellen-negativ-web-1.png

Was entsteht, wenn man kaum umbauen kann – und trotzdem viel verändert? Büroplanung im Bestand

  • vor 6 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Wie schafft man Arbeitsräume, die den täglichen Anforderungen wirklich entsprechen – ohne das Gebäude grundlegend zu verändern?

Beim Psychosozialen Netzwerk Ludwigsburg war die Arbeitsweise klar etabliert: viel Austausch, viele Gespräche, viel Arbeit außerhalb des Büros. Die vorhandene Gestaltung der Räume wurde diesem Alltag jedoch nicht gerecht.

Ziel des Projekts war es daher nicht, Arbeitsweisen zu verändern, sondern die Räume so weiterzuentwickeln, dass sie den bestehenden Anforderungen besser dienen – funktional, atmosphärisch und wirtschaftlich.


Flexibler Meetingraum

Multifunktionaler Meetingraum


Arbeiten in einem Haus mit Geschichte und Wohncharakter


Das Gebäude, in dem das Projekt umgesetzt wurde, ist kein klassischer Bürobau. Von außen wirkt es bis heute eher wie ein Wohngebäude – mit Fluren, Treppenhaus und vielen Räumen unterschiedlicher Größe.

Der Grundriss sollte weitestgehend erhalten bleiben - es gab:

  • kaum Möglichkeit, Wände zu entfernen

  • statische Herausforderungen eines Altbaus


Die eigentliche Frage hinter der Planung


Vor Projektbeginn arbeitete jede Person an einem festen Arbeitsplatz – teils in Einzelbüros, teils in Mehrpersonenbüros. Mit den über Jahre gewachsenen Strukturen wirkten die Räume unruhig, dunkel und akustisch wenig angenehm.

Gleichzeitig waren die Arbeitsplätze häufig nicht durchgehend besetzt: Die Mitarbeitenden sind oft nur stundenweise im Büro, da viele Termine bei oder mit Klient:innen stattfinden.

Daher ging es hier nicht darum: Wie lassen sich möglichst viele Arbeitsplätze unterbringen?Sondern: Welche Räume werden tatsächlich gebraucht – und wofür?

Dies war der Ausgangspunkt für die gesamte Planung.


Büroplanung im Bestand heißt mit dem Bestand arbeiten – nicht gegen ihn

Da bauliche Veränderungen nur sehr eingeschränkt möglich waren, lag der Fokus bewusst auf:

  • einem klaren Nutzungskonzept

  • gezielter Möblierung

  • akustischen Maßnahmen

  • einer ruhigen, zurückhaltenden Gestaltung

Beim Rückbau zeigten sich stellenweise statische Gegebenheiten deutlicher als erwartet. Tragende Balken und Querträger, die nicht entfernt werden konnten, wurden bewusst sichtbar belassen und gestalterisch integriert.

Statt diese Einschränkungen als Hindernis zu sehen, wurden sie Teil der Lösung. Und statt den Grundriss verändern zu wollen, wurde er als Rahmen akzeptiert – und neu interpretiert.

Das Ergebnis ist eine vielseitige Arbeitsumgebung, die unterschiedliche Tätigkeiten bewusst berücksichtigt, ohne die gewachsene Struktur des Hauses aufzulösen.


 Fachwerk integriert


Flexibilität dort, wo sie wirklich hilft


Neben einem klassischen Einzelbüro für konzentrierte Einzelarbeit gibt es Zweier‑, Dreier‑ und Viererbüros, die unterschiedlich genutzt werden können. Alle Arbeitsplätze sind mit elektrisch höhenverstellbaren Tischen ausgestattet.

Es wurde ein Free-Seating‑Konzept eingeführt – angepasst an den tatsächlichen Arbeitsalltag mit:

  • persönlichen Lockern für alle Mitarbeitenden

  • Toolboxen für Arbeitsmaterialien

  • freie Wahl des Arbeitsortes nach Aufgabe und Zusammenarbeit

Die anfängliche Skepsis gegenüber dem Verzicht auf feste Arbeitsplätze konnte im Projektverlauf weitgehend abgebaut werden. Heute wird das Konzept als Entlastung empfunden und ermöglicht eine flexiblere Nutzung der vorhandenen Flächen.


Räume für Vertrauen, Konzentration und gute Gespräche


Gerade im psychosozialen Arbeitskontext sind entsprechend geeignete Räume entscheidend.

Zur Verfügung stehen:

  • Einzel‑Telefonzellen für vertrauliche Gespräche

  • eine kleine Rückzugsnische am Ende des Flurs

  • eine größere Meeting-Box für 2–3 Personen

  • eine ruhig gestaltete Lounge für Gespräche oder Rückzug

  • ein Workshopraum mit Whiteboards und flexibel einsetzbaren Möbeln


Bibliothek mit Loungesesseln

Bibliothek


Zusammenkommen, austauschen, neu denken


Ergänzt wird das Raumangebot durch gemeinschaftlich genutzte Bereiche:

  • ein Gemeinschaftsraum mit großem Tisch, offen zur Küche

    – nutzbar für Austausch, Besprechungen oder gemeinsames Ankommen

  • ein großer multifunktionaler Raum mit Tribünenelementen, mobilen Boxen und stapelbaren Möbeln – geeignet für Workshops, Teamtage oder größere Zusammenkünfte und Events

  • ein Freizeit‑ und Pausenraum im Untergeschoss mit Kicker

    – bewusst als Ort zum Abschalten und Durchatmen gedacht


Ruhe entsteht nicht zufällig


Da nur wenige bauliche Eingriffe möglich waren, wurde mit einer ruhigen, neutralen Raumbasis gearbeitet:

  • helle weiße Wände

  • allgemeine Flächen mit Bodenbelägen in Holzoptik

  • akustisch wirksame Teppiche in den Büros

Für die Akustik kamen Filzpaneele in unterschiedlichen Farben und Mustern sowie abgehängte Deckenelemente zum Einsatz, gewählt wegen ihres guten Verhältnisses aus Wirksamkeit, Gestaltung und Aufwand. In größeren Büros werden ergänzend Akustikelemente zwischen den Arbeitsplätzen eingesetzt. Das Gestaltungskonzept wurde bewusst über alle Stockwerke hinweg fortgeführt. So entsteht unabhängig vom gewählten Arbeitsplatz eine vertraute Atmosphäre, die das Ankommen erleichtert und den Arbeitsalltag unterstützt.


Ruhe und Rückzug


Gute Arbeitsräume entstehen durch Zuhören


Dieses Projekt zeigt: Gute Büroplanung entsteht nicht durch maximale Eingriffe, sondern durch klare Entscheidungen.

Wenn Räume sich am tatsächlichen Arbeitsalltag der Menschen orientieren, können auch bestehende Gebäude mit begrenztem Spielraum zu funktionalen, wertschätzenden Arbeitsorten werden.

Nicht jeder benötigt einen festen Arbeitsplatz.

Doch jede Aufgabe erfordert den passenden Raum.


Mehr Bilder von dieser Büroplanung im Bestand findet man in den Referenzen.

 
 
bottom of page