Klinikmöblierung in der Stadtklinik Frankenthal: Was man auf dem Grundriss nicht sieht
Wie aus Planung, Nutzergesprächen und vielen kleinen Entscheidungen Räume entstanden, die im Alltag funktionieren

Wer durch einen fertigen Klinikneubau läuft, sieht zunächst ein Gebäude. Flure, Zimmer, Therapieräume, Aufenthaltsbereiche.
Was man nicht sieht, sind die vielen Entscheidungen, die dafür sorgen, dass diese Räume später funktionieren. Dass ein Therapieraum die richtigen Arbeitsflächen bietet. Dass Eltern mit ihren Kindern einen angenehmen Ort vorfinden. Dass Aufenthaltsbereiche genutzt werden und nicht leer bleiben. Oder dass ein Tisch tatsächlich rollstuhlunterfahrbar ist und nicht nur auf dem Papier als barrierefrei gilt.
Beim Neubau der Stadtklinik Frankenthal lag unser Schwerpunkt genau in dieser Projektphase: bei der Planung, Ausstattung und Umsetzung der losen Klinikmöblierung, der Abstimmung mit den späteren Nutzerinnen und Nutzern sowie der Vorbereitung des Umzugs. Ausgangspunkt waren dabei nicht Möbelkataloge oder Standardlösungen, sondern die Frage: Was brauchen die Menschen, die diese Räume später jeden Tag nutzen werden?
Zuhören, bevor geplant wird
Bevor Ausschreibungen erstellt oder Produkte ausgewählt werden konnten, standen zahlreiche Gespräche mit den späteren Nutzergruppen auf dem Programm.
Denn zwischen einem Büroarbeitsplatz, einem Eltern-Kind-Bereich oder einem Raum für Kunst- und Musiktherapie liegen Welten. Jede Nutzergruppe hat eigene Anforderungen, eigene Abläufe und eigene Erfahrungen.
In den Gesprächen ging es deshalb oft um scheinbar kleine Fragen:
Wie werden die Räume im Alltag genutzt?
Welche Tätigkeiten finden dort statt?
Was muss verstaut werden?
Welche Möbel werden intensiv genutzt?
Wo werden Rückzugsmöglichkeiten benötigt?
Welche Anforderungen ergeben sich aus der täglichen Arbeit?
Erst aus diesen Informationen entstand Schritt für Schritt das Ausstattungskonzept für die unterschiedlichen Bereiche des Neubaus.

Klinikmöblierung für unterschiedliche Nutzungsbereiche
Unsere Aufgabe bestand darin, die vorhandene Phantomplanung zu prüfen und anzupassen, um die Möblierung und Ausstattung zu ergänzen und dabei die Anforderungen des späteren Betriebs mit den gestalterischen Vorgaben des Gebäudes zusammenzubringen.
Dabei begleiteten wir die Ausstattung verschiedenster Bereiche:
Büroräume
Gruppenräume
Therapieräume
Speisebereiche
Aufenthaltsflächen
Wartezonen
Eltern-Kind-Bereiche
Außen- und Gemeinschaftsflächen
Wichtig war uns dabei, dass sich die ausgewählten Möbel selbstverständlich in das Architektur- und Farbkonzept einfügen und gleichzeitig den hohen Anforderungen des Klinikalltags gerecht werden.

Die Details, die auf keinem Plan stehen
Besonders spannend sind in solchen Projekten oft die Themen, die man auf einem Grundriss nicht erkennt. Ein gutes Beispiel dafür waren die Tische für Speise- und Aufenthaltsbereiche.
In den Nutzergesprächen wurde deutlich, dass viele als barrierefrei angebotene Standardlösungen den tatsächlichen Anforderungen im Klinikbetrieb nicht gerecht werden. Klinikrollstühle unterscheiden sich häufig von herkömmlichen Modellen. Armlehnen, Sitzhöhen und Bauformen führen dazu, dass viele Tische zwar normgerecht erscheinen, im Alltag aber nur eingeschränkt nutzbar sind.
Deshalb wurden die Anforderungen bereits in der Ausschreibung sehr konkret beschrieben und notwendige Sonderlösungen berücksichtigt. Das Ergebnis sind Lösungen, die nicht nur den Vorgaben entsprechen, sondern im täglichen Betrieb tatsächlich funktionieren.

Aufenthaltsbereiche mit unterschiedlichen Aufgaben
Krankenhäuser sind nicht nur Orte der Behandlung. Sie sind auch Arbeitsorte, Begegnungsorte, Rückzugsorte und manchmal einfach Orte des Wartens.
Deshalb entstanden im Neubau sehr unterschiedliche Aufenthaltsbereiche.
Entlang der Stützpunkte bieten Sitzbereiche Raum für kurze Wartezeiten oder Gespräche. Innenhöfe und Terrassen schaffen die Möglichkeit, für einen Moment nach draußen zu gehen. Gemeinschaftsbereiche laden zum Austausch ein. Gleichzeitig wurden Rückzugsorte geschaffen, die Ruhe ermöglichen.
Dabei wurde bewusst darauf geachtet, robuste und pflegeleichte Möbel mit einer freundlichen Gestaltung zu verbinden. Farbige Akzente greifen das Gestaltungskonzept des Hauses auf und sorgen dafür, dass die Räume nicht ausschließlich funktional wirken.
Funktionalität und Aufenthaltsqualität müssen kein Widerspruch sein
Ein Bereich, der uns besonders beschäftigt hat, waren die Ruhe- und Aufenthaltsräume.
Hier sollten Möbel eingesetzt werden, die den Anforderungen des Klinikbetriebs standhalten und gleichzeitig eine möglichst wohnliche Atmosphäre schaffen.
Ein Beispiel dafür sind die eingesetzten Liege- und Ruhesessel. Sie erinnern gestalterisch eher an einen bequemen Ohrensessel als an klassische Klinikausstattung. Gleichzeitig erfüllen sie die Anforderungen an Hygiene, Robustheit und Alltagstauglichkeit. So entstehen Räume, die funktional sind und dennoch Aufenthaltsqualität bieten.

Auch die Außenbereiche gehören dazu
Bei Klinikprojekten richtet sich der Blick häufig auf die Innenräume. Gleichzeitig spielen Außenbereiche für viele Nutzerinnen und Nutzer eine wichtige Rolle.

Innenhöfe und Terrassen wurden deshalb bewusst als Aufenthaltsorte mitgedacht. Unterschiedliche Sitzmöglichkeiten schaffen Raum für Gespräche, kurze Pausen oder einfach einen Moment außerhalb des Klinikalltags.
Die farbigen Möbel greifen das Gestaltungskonzept des Hauses auf und sorgen dafür, dass Innen- und Außenbereiche als zusammenhängende Aufenthaltslandschaft wahrgenommen werden.

Bereiche für Babys, Kleinkinder und Familien
Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die Ausstattung der Bereiche rund um die Geburtsstation und weitere Eltern-Kind-Bereiche im Rest der Klinik.
Hier standen Funktion und Sicherheit selbstverständlich im Mittelpunkt. Gleichzeitig ging es aber auch darum, eine Umgebung zu schaffen, die freundlich und einladend wirkt.
Ausgewählt wurden unter anderem:
Beistellbetten in unterschiedlichen Größen
Kinderhochstühle
Spiel- und Bewegungsbereiche
Krabbel- und Weichschaumelemente
kindgerechte Ausstattungsdetails
Gerade in diesen Bereichen zeigte sich, wie wichtig die Abstimmung mit den späteren Nutzern war. Denn häufig sind es die Erfahrungen aus dem Alltag, die bei der Auswahl der passenden Ausstattung den entscheidenden Unterschied machen. Die Ausstattung der Eltern-Kind-Bereiche und des Kinderbetreuungsraums gehörte deshalb zu den besonders spannenden Projektaufgaben.

Räume für Therapie und Kreativität
Einen ganz eigenen Charakter hatten die Bereiche der Tagesklinik, z.B. die Räume für Kunst- und Musiktherapie.
Hier ging es nicht darum, möglichst viele Möbel unterzubringen. Viel wichtiger war es, den richtigen Rahmen für die spätere Nutzung zu schaffen.
Benötigt wurden Stauraum, Arbeitsflächen und flexible Arbeitsplätze, die unterschiedliche Therapieformen unterstützen können. Gleichzeitig sollten die Räume bewusst zurückhaltend gestaltet werden.
Besonders schön war es später zu sehen, wie diese zunächst neutral gestalteten Räume durch ihre Nutzung lebendig wurden. Materialien, Kreativarbeiten und die Aktivitäten der Nutzerinnen und Nutzer verleihen ihnen die Persönlichkeit, die auf keinem Plan eingezeichnet werden kann.

Wenn die Möbel stehen, ist das Projekt noch nicht zu Ende
Mit der Auswahl und Ausschreibung der Ausstattung war unsere Aufgabe noch nicht abgeschlossen.
Zur Umsetzung gehörten auch:
die Koordination der Lieferanten
die Abstimmung vor Ort
die Begleitung der Einbringung
Qualitätskontrollen
Mängelmanagement
Abnahmen
die Berücksichtigung von Änderungen und Ergänzungen während der Ausführung
Parallel dazu wurde der bevorstehende Umzug vorbereitet. Dafür entstand ein Umzugshandbuch, das den Mitarbeitenden als Orientierung für Abläufe, Kennzeichnungen und Organisation diente. Der eigentliche Umzug wurde anschließend in mehreren Etappen durchgeführt und eng zwischen allen Beteiligten abgestimmt.
Fazit: Gute Räume entstehen im Dialog
Das Projekt in der Stadtklinik Frankenthal hat uns einmal mehr gezeigt, dass viele wichtige Entscheidungen erst dann sichtbar werden, wenn ein Gebäude kurz vor der Nutzung steht.
Ein Grundriss zeigt, wo ein Raum liegt. Wie gut er später funktioniert, entscheidet sich oft erst in den Gesprächen mit den Menschen, die ihn nutzen werden.
Genau dort entstehen die Anforderungen, die später darüber entscheiden, ob Möbel alltagstauglich sind, ob Aufenthaltsbereiche angenommen werden, ob Therapieräume flexibel funktionieren und ob sich Familien willkommen fühlen.
Die Ausstattung eines Klinikneubaus ist deshalb weit mehr als die Auswahl einzelner Möbel. Sie ist die Übersetzung von Bedürfnissen, Abläufen und Nutzungsanforderungen in Räume, die im Alltag funktionieren.
Und genau dieser Weg von der Planung zur tatsächlichen Nutzung macht Projekte wie das Stadtklinikum Frankenthal für uns so spannend.
Wir gestalten Arbeits-, Lern- und Gesundheitswelten, die zu den Menschen passen, die sie täglich nutzen. Als raum rebellen analysieren wir Abläufe, hinterfragen Anforderungen und entwickeln räumliche Lösungen, die Menschen, Prozesse und Strukturen sinnvoll zusammenbringen. Von der ersten Idee über die Entwurfs-, Detail- und Ausführungsplanung bis zur Umsetzung vor Ort begleiten wir Projekte ganzheitlich und praxisnah. So entstehen Räume, die Orientierung geben, Zusammenarbeit fördern und im Alltag nachhaltig funktionieren.



